Digitalisierung der Landwirtschaft

Seit mehr als 13.000 Jahren hat die Landwirtschaft zur Aufgabe, die Bevölkerung der Erde zu ernähren. Was vorher noch Jäger und Sammler effizienter gelöst haben, wurde nach und nach von der Landwirtschaft übernommen. Mit steigender Erdbevölkerung wird der Platz für Anbauflächen aber überall auf der Welt immer knapper und Flächen müssen optimal genutzt werden, um in Zukunft auch noch in der Lage zu sein, die Menschen zu ernähren.

Dazu kommt noch, dass der Wettbewerb bei der Landwirtschaft groß ist und gerade die großen Discounter Lebensmittelpreise immer tiefer ansetzen wollen. Für Landwirte bedeutet das, sie müssen in den verschiedensten Bereichen Prozesse optimieren, um aus der Fläche den größten Ertrag zu erzielen und das bei höchster Qualität.

Gleichzeitig werden Personalkosten minimiert und der Landwirt wird zum Multifunktionstalent. Der Landwirt muss sich sowohl mit Maschinen und dem Agrargut auskennen, aber auch mit mechatronischen Anlagen, Sensoren, Software und immer größer werdenden Projekten. Die Digitalisierung dieser Branche ist schon lange im Gange und neue effizientere Technologien maximieren Erträge.

Digital Farming

Unter dem Hauptbegriff des digital Farming wird genau dieser Prozess zusammengefasst.  In der Feldwirtschaft werden nun Drohnen und die Satellitentechnik angewendet, um Felder zu überwachen und Daten zu sammeln. 9 % der Landwirte setzen inzwischen schon Drohnen ein und ca. 5 % beauftragen Dienstleister diese Aufgaben zu übernehmen. Bei der Überwachung mit Drohnen können dabei Felder aus der Luft überprüft werden, so kann der Landwirt unter anderem Rehkitze vor dem Mähtod retten und durch die Färbung und Ausprägung der Felder entscheiden, welche Maßnahmen getroffen werden müssen, um das Feld optimal zu versorgen.

Fast ein Drittel der Landwirte, die Drohnen einsetzen, begegnen damit Wildtieren, egal um diese vor Maschinen zu schützen, oder aber die Pflanzen vor den Wildtieren. Sie werden außerdem dazu genuzt Nützlinge auszubringen, um bestimmte Schädlinge biologisch zu bekämpfen. Ein weiteres Szenario ist die Kartierung der eigenen Felder und die Bestandskontrolle der ausgebrachten Pflanzen. Die Entwicklung der entsprechenden Software und die Implementierung in das Unternehmen wird durch IT-Fachleute ausgeführt. Gerade in diesem Bereich gibt es noch viele offene Stellen und viel Potenzial, das ausgeschöpft werden will.

Mit Sensorik zur höchsten Qualität

Gerade die Sensorik wird immer umfangreicher, Sensoren messen die Bodenbeschaffenheit und entscheiden selber, ob Bereiche gedüngt und bewässert werden müssen. Gerade bei der Bodenversorgung wird kaum noch etwas dem Zufall überlassen. In Gewächshaus wird hier sogar an jeder kleinsten Stellschraube gedreht, um das Endprodukt zu der höchsten Qualität zu bringen, wobei teilweise für jede Pflanze gemessen wird, was sie benötigt und der optimale Nährstoffmix bereitgestellt wird. Dazu kommen dann noch die Luftfeuchtigkeit, Temperatur, Versorgung mit Sonnenlicht und bei Bedarf das Nachsteuern durch künstliches Licht. Das bezieht sich auf große Gewächshäuser, aber auch auf Kleinstgewächshäuser für den privaten Gebrauch.

Robotik und Melksysteme

Immer häufiger kommen automatische Melksysteme zum Einsatz, bei dem der Roboter mit Ultraschall, Laser und optischen Sensoren das Euter sucht und dort andockt. Das ermöglicht das flexible Melken der Kuh und dadurch mehr Komfort für Mensch und Tier. Dabei messen Sensoren Daten zu Gewicht, Melkzeit, Melkmenge, Blut, Fett- und Eiweißgehalt und noch weit aus mehr. Mit diesen Daten kann dann ermittelt werden, wie gesund das Tier ist, ob es ein Risiko für die Herde darstellt und gegebenenfalls isoliert werden muss. Bei Krankheit kann der Veterinärmediziner dann rasch Daten sichten und basierend darauf Entscheidungen treffen, wie das Tier wieder möglichst schnell gesund wird und der Herde zurückgeführt werden kann. Dadurch werden Behandlungen der ganzen Herde vermieden, wodurch auch die Gesundheit der ganzen Herde leiden würde und zuletzt auch die Qualität des Produkts.

Vertical Farming

Ein weiterer Bereich der modernen Landwirtschaft ist das Vertical Farming, hierbei werden Gewächshäuser nah am Endkunden gebaut und gehen mangels ausreichender Grundfläche nicht nur in die Breite, sondern auch in die Höhe. Die Pflanzen werden dabei meist voll automatisiert versorgt und können teils mehrmals im Jahr geerntet werden. Durch die komplette Kontrolle der Pflanzenumwelt und meist der hermetischen Abriegelung gegenüber der Außenwelt sind Schädlinge nicht vorhanden und der Ertrag wird maximiert.

Förderung durch die EU und BMEL

Die EU fördert dabei die Bemühungen, Agrarbetriebe zu digitalisieren. Gerade für die EU ist ein wichtiger Faktor, Hochtechnologie auch in diesem Bereich einzubringen, was auch für einen breiten Wirtschaftssektor fördernd wirkt. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft fördert den Test und die Implementierung neuer digitaler Lösung bis zum Jahr 2022 mit 45 Millionen Euro an Fördergeldern. Dabei werden vor allem neue Sensortechniken gefördert, wie Nahinfrarotsensoren. Ein weiterer Bestandteil der Förderung war bis Ende 2019 die Überwachung von Gesundheitsdaten und der Verbesserung des Tierwohls.

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