Mangel an Pflegekräften in Deutschland

Deutschland leidet unter einem akuten Mangel an medizinischem Personal, der sich im Laufe des Jahres 2021 weiter verschärft hat. Auf den Intensivstationen bleiben 12 Prozent der Stellen unbesetzt.

Anhaltender Pflegenotstand in Deutschland

In den deutschen Krankenhäusern herrscht schon seit Jahren ein Mangel an Pflegekräften, der sich im vergangenen Jahr noch verschärft hat. Im Jahr 2021 blieben bundesweit rund 14.000 Stellen für examinierte Pflegekräfte in Kliniken unbesetzt, weitere 8.000 Stellen waren auf Intensivstationen unbesetzt.

Die Zahl der unbesetzten Stellen für examinierte Krankenpflegerinnen und Krankenpfleger entspricht etwa 6 Prozent aller Stellen auf den Normalstationen und etwa 12 Prozent auf den Intensivstationen.

Der Personalmangel hat sich in den letzten Jahren exponentiell verschärft: Vor fünf Jahren gab es nur rund 3.900 freie Stellen auf Normalstationen.

Keine Personalreserve in deutschen Krankenhäusern

Der Mangel an Personalreserven ist der Grund dafür, dass einige Intensivstationen während der Coronavirus-Pandemie entweder vorübergehend oder dauerhaft geschlossen werden mussten.

Im vergangenen Jahr dauerte es im Durchschnitt 17 Wochen, bis eine reguläre Stelle in der Krankenpflege mit einer Fachkraft besetzt werden konnte, während es 21 Wochen dauerte, bis eine Stelle in der Intensivpflege oder der Notfallmedizin besetzt werden konnte.

Die Gründe für den Arbeitskräftemangel sind vielfältig. Einer davon ist, dass die geburtenstarken Jahrgänge entweder in den Ruhestand gegangen sind oder in den Vorruhestand gehen. Außerdem nehmen immer mehr Beschäftigte Elternzeit, und die Krankenschwestern in den Städten müssen den Mangel an Krankenschwestern in den ländlichen Gebieten ausgleichen, wodurch die Arbeitskräfte oft an ihre Grenzen stoßen. Dies führt zu einer Abwärtsspirale, da viele der verbleibenden Krankenschwestern und -pfleger aufgrund der gestiegenen Arbeitsbelastung ihren Job aufgeben.

Bedenken wegen Personalmangels stellen Deutschlands Impfstoffmandat in Frage

Frank Vogel, ein 64-jähriger Kommunalpolitiker aus dem ostdeutschen Erzgebirge, sucht händeringend nach Möglichkeiten, Pflegeheime offen zu halten, wenn eine Impfpflicht für Beschäftigte im Gesundheitswesen in Kraft tritt.

Seine Region nahe der tschechischen Grenze hat eine der niedrigsten Impfraten in Deutschland. Da nur 57 % des Gesundheitspersonals dort zwei Impfungen gegen das Coronavirus erhalten haben, würde die Umsetzung der Vorschrift zu Personalengpässen führen, die die Einrichtungen zur Schließung zwingen würden.

Am Ende stellt sich die Frage: Wie geht man dann mit den Menschen um, die in diesen Einrichtungen betreut werden?“ so Vogel.

Die Verpflichtung für das Gesundheitspersonal, sich impfen zu lassen, ist der erste Schritt im Rahmen des Plans der neuen Regierung, die Impfungen für alle Erwachsenen zur Pflicht zu machen.

Dies hat jedoch die Befürchtung geweckt, dass Tausende von Menschen arbeitslos werden, Krankenhäuser und Pflegeheime unterbesetzt sein werden und das Gesundheitssystem zwei Jahre nach Ausbruch der Pandemie überfordert sein wird.

Die Debatte in Deutschland macht deutlich, wie schwierig es ist, Impfungen im föderalen System des Landes obligatorisch zu machen, und dürfte die Bemühungen um eine Ausweitung der Regelung auf alle Erwachsenen untergraben.

Akuter Personalmangel

In Deutschland ist die Durchimpfungsrate mit etwa 75 % niedriger als in vielen anderen westeuropäischen Ländern. Rund 92 % der Krankenhausmitarbeiter haben zwei Impfungen gegen das Virus erhalten, wie eine Umfrage des Robert-Koch-Instituts ergab.

Christine Vogler, Vorsitzende des Deutschen Pflegerats (DPR), sagte, das Mandat würde einen Sektor treffen, der bereits zwei Jahre nach der Pandemie unter Personalmangel leidet, da derzeit mehr als 200.000 Stellen in der Pflege unbesetzt sind.

Ich habe die Wahl zwischen ungeimpften Pflegekräften und gar keiner Pflege. Das ist eine schlechte Lösung„, sagte sie.

Vogel und andere Landräte im östlichen Sachsen, das die niedrigste Impfquote in Deutschland aufweist und in dem fast 30 % des Gesundheitspersonals nicht geimpft sind, haben die Gesundheitsbehörden von Bund und Ländern angefleht, dass im Dezember vom Parlament verabschiedete Mandat zu streichen.

Nach einem Treffen der Gesundheitsminister der Länder in der vergangenen Woche sieht es jedoch so aus, als würde das Gesetz in Kraft treten. Alle 16 Bundesländer erklärten sich bereit, das Gesetz umzusetzen, sofern sie Wege finden, um Personalengpässe zu vermeiden.

So könnten die Einrichtungen beispielsweise ehemaliges Pflegepersonal oder Personen ohne Pflegeausbildung zur Unterstützung in nichtmedizinischen Bereichen einsetzen, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums.

Dennoch äußerte sich Eike Hennig, Leiter des Gesundheitsamtes der östlichen Stadt Magdeburg, skeptisch über die Umsetzung der Vorschrift in einer Stadt, in der rund 900 Beschäftigte des Gesundheitswesens, d. h. 10 % des gesamten Personals, immer noch ungeimpft sind.

Er schlug vor, die nächsten Wochen zu nutzen, um die Beschäftigten davon zu überzeugen, sich mit dem neu zugelassenen Impfstoff von Novavax (NVAX.O) impfen zu lassen, dessen traditionellere Technologie einige Skeptiker überzeugen könnte.

Fühlen uns verraten

Das sich abzeichnende Mandat, die stressigen Arbeitsbedingungen, insbesondere während der Pandemie, und die niedrige Bezahlung scheinen jedoch bereits einige dazu zu veranlassen, den Beruf zu verlassen.

Fast 23.000 Beschäftigte des Gesundheitswesens haben sich in den letzten zwei Monaten als arbeitssuchend gemeldet, 60 % mehr als im Vorjahr, wie Daten der Bundesanstalt für Arbeit zeigen.

Eine 36-jährige Krankenschwester die in der Notfallmedizin arbeitet, sagte, fast die Hälfte ihrer Kollegen sei wie sie ungeimpft. Sie sagte, weder das Mandat noch der Novavax-Impfstoff würden sie davon überzeugen, sich impfen zu lassen.

Wir fühlen uns … verraten. Wir waren also gut genug, um uns zwei Jahre lang diesem Risiko auszusetzen, und jetzt sollen wir uns impfen lassen und dieses Selbstbestimmungsrecht über unseren Körper aufgeben? Nein!“ sagte die Krankenschwester.

Einige Beschäftigte des Gesundheitswesens haben versucht, das Mandat anzufechten, aber das oberste deutsche Gericht wies Anfang des Monats Eilanträge zurück.

Meiner Meinung nach besteht die Lösung im Moment darin, das Mandat fallen zu lassen und abzuwarten, wie sich die COVID-Pandemie entwickelt„, sagte Vogel.

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