Ein Aufschrei in der Baubranche – Millionen bleiben ungenutzt!
Der jüngste Beschluss des Umweltministeriums, sich bei der Sanierungsoffensive auf den Austausch von Heizkesseln zu konzentrieren, hat in der Baubranche für beträchtlichen Unmut gesorgt. Experten sind sich einig: Diese Entscheidung könnte den dringend benötigten Fortschritt in der Gebäudesanierung erheblich bremsen. Bmstr. Ing. Robert Jägersberger, Obmann des Österreichischen Baumeisterverbandes (ÖBV), betont, dass Investitionen in die Gebäudesubstanz unerlässlich sind, um den Energieverbrauch nachhaltig zu senken. Neue Heizungstechnologien allein reichen nicht aus, wenn Gebäude nicht klimafit gemacht werden.
Der Hintergrund: Was steckt hinter der Sanierungsoffensive?
Die Sanierungsoffensive ist Teil eines größeren Regierungsprogramms, das darauf abzielt, den Energieverbrauch in Österreich zu senken und die CO2-Bilanz zu verbessern. Ursprünglich sollte ein umfassendes Paket aus verschiedenen Maßnahmen, darunter auch bauliche Sanierungen, die Energiewende unterstützen. Doch die jüngste Entscheidung, den Fokus auf den Heizkesseltausch zu legen, wird von vielen als verkürzt kritisiert.
Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass derartige Initiativen nicht neu sind. Bereits in den 2010er Jahren wurden Förderprogramme wie der ‚Sanierscheck‘ eingeführt, die erhebliche Investitionen ausgelöst haben. Pro 100 Millionen Euro Förderung wurden damals Investitionen von 700 Millionen Euro generiert, was wiederum bedeutende Steuerrückflüsse und Sozialversicherungsbeiträge einbrachte.
Die Folgen für Bürger und Bauherren
Für viele Bürger, die bereit wären, in klimaverbessernde Maßnahmen zu investieren, stellt die aktuelle Situation eine große Unsicherheit dar. Die wiederholt unsichere Förderpolitik der Regierung verunsichert potenzielle Investoren und Bauherren. Die Planbarkeit, die für solche Entscheidungen entscheidend ist, scheint derzeit nicht gegeben zu sein.
Ein weiteres Problem sind die restriktiven Zuschuss-Kriterien der Wohnbau-Milliarde, die im Februar 2024 beschlossen wurde. Viele Mittel wurden nicht abgeholt, da die Anforderungen zu hoch oder unklar waren. Das Baugewerbe fordert nun, diese ungenutzten Mittel für eine neue Sanierungsoffensive einzusetzen, die einen breiteren Ansatz verfolgt.
Ein Vergleich mit anderen Bundesländern
Ein Blick über die Landesgrenzen zeigt, dass andere Bundesländer bereits erfolgreich Sanierungsoffensiven umgesetzt haben. In Deutschland beispielsweise wurden umfassende Sanierungsprogramme mit großem Erfolg durchgeführt, die sowohl die CO2-Emissionen als auch den Energieverbrauch erheblich senken konnten. Diese Programme beinhalteten nicht nur den Austausch von Heizsystemen, sondern auch umfassende bauliche Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz.
Experten fordern breiter angelegte Maßnahmen
Experten im Baugewerbe plädieren für eine Neuausrichtung der Sanierungsinitiativen. Der Sanierungsbegriff sollte breiter gefasst werden, um nicht nur einzelne Gebäudeteile, sondern auch ganze Ortskerne zu revitalisieren. Dies würde nicht nur den Zielen des Regierungsprogramms entsprechen, sondern auch positive Effekte auf den Bodenverbrauch und die Siedlungspolitik haben.
Die baukulturellen Leitlinien des Bundes, die eine Belebung der Stadt- und Ortskerne vorsehen, könnten durch gezielte Förderprogramme unterstützt werden. Diese Programme hätten nicht nur ökologische, sondern auch wirtschaftliche Vorteile, indem sie Arbeitsplätze schaffen und die lokale Wirtschaft stärken.
Ein Appell an die Regierung
Robert Jägersberger appelliert an die Bundesregierung, nicht an der falschen Stelle zu sparen. Der Heizkesseltausch allein greift zu kurz, um eine nachhaltige Reduktion des Energieeinsatzes zu erreichen. Nur ein umfassendes Paket, das auch die Gebäudesubstanz berücksichtigt, kann die gewünschten Effekte erzielen.
Das Baugewerbe steht bereit, um ein optimiertes Fördermodell zu entwickeln, das sowohl den ökologischen als auch den ökonomischen Anforderungen gerecht wird. Die Expertise der Branche könnte genutzt werden, um ein Modell zu schaffen, das langfristige Ziele unterstützt und den Bürgern Planungssicherheit bietet.
Ein Blick in die Zukunft
Die Zukunft der Sanierungsoffensive hängt nun von den Entscheidungen der Regierung ab. Eine Neuausrichtung könnte nicht nur den Energieverbrauch senken, sondern auch die Wirtschaft ankurbeln. Die Nutzung ungenutzter Fördermittel könnte der Schlüssel sein, um die Sanierungsoffensive wieder in die Spur zu bringen und die Klimaziele zu erreichen.
Es bleibt abzuwarten, wie die Regierung auf die Forderungen der Baubranche reagiert. Klar ist, dass eine schnelle und entschlossene Reaktion erforderlich ist, um das Vertrauen der Bürger zurückzugewinnen und die notwendigen Schritte für eine klimafreundliche Zukunft einzuleiten.
Fazit
Die Sanierungsoffensive steht an einem Scheideweg. Die Entscheidungen der nächsten Monate werden darüber entscheiden, ob Österreich seine Klimaziele erreicht und gleichzeitig wirtschaftliche Impulse setzen kann. Die Baubranche ist bereit, ihren Beitrag zu leisten – nun liegt es an der Regierung, die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft zu stellen.