Österreichs Neubaukrise: Ein Lichtblick im Wohnungsmarkt?
Wien (OTS) – Am 29. Juli 2025 veröffentlichte die Wirtschaftskammer Österreich den mit Spannung erwarteten 1. Österreichischen Neubaubericht für das zweite Quartal 2025. Diese Veröffentlichung, die seit vier Jahren kontinuierlich Auswertungen zu Neubauprojekten im Wohnbau liefert, hat erneut für Aufsehen gesorgt. Der Bericht, den die Experten von ‚Exploreal‘ erstellt haben, bietet eine detaillierte Analyse des aktuellen Marktes und zeigt, dass es trotz der anhaltenden Herausforderungen ein zartes Licht am Ende des Tunnels gibt.
Ein Überblick über die aktuellen Zahlen
Der Bericht zeigt, dass die Zahl der freifinanzierten Mietwohnungen bis zum Ende des zweiten Quartals 2025 auf knapp 5.810 publizierte Wohneinheiten gestiegen ist. Das entspricht einem signifikanten Zuwachs von 24 Prozent im Vergleich zum ersten Quartal. Diese Entwicklung wird von Branchenexperten als positives Signal für die Immobilienwirtschaft angesehen, die seit 2023 mit rückläufigen Fertigstellungen zu kämpfen hat.
Roman Oberndorfer, der neue Fachverbandsobmann des Fachverbands der Immobilien- und Vermögenstreuhänder, betonte die Bedeutung dieser Zahlen: „Ein positiver Impuls ist wichtiger denn je. Denn immerhin zwei Drittel der Neubauten im großvolumigen Wohnbau werden von der gewerblichen Immobilienwirtschaft errichtet – sie braucht dringend Rückenwind.“
Historische Hintergründe und aktuelle Herausforderungen
Um die aktuelle Situation besser zu verstehen, ist ein Blick auf die letzten Jahre unerlässlich. Seit 2023 ist ein deutlicher Rückgang bei den Fertigstellungen von Wohnimmobilien zu verzeichnen. Besonders betroffen ist der Bereich der geförderten Mietwohnungen, wo die Fertigstellungen um 10 Prozent zurückgegangen sind, während im Eigentumssegment ein Rückgang von 8 Prozent zu verzeichnen ist.
Für das gesamte Jahr 2025 wird mit rund 30.270 publizierten Einheiten gerechnet, wobei nur etwa 26.000 tatsächlich fertiggestellt werden – ein Minus von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Trotz dieses Rückgangs bleibt Wien mit prognostizierten 9.400 fertiggestellten Wohneinheiten im Jahr 2025 der Spitzenreiter bei Neubauten in Österreich.
Vergleich mit anderen Bundesländern
Während Wien weiterhin an der Spitze steht, sieht die Situation in anderen Bundesländern unterschiedlich aus. In Vorarlberg und Tirol, wo die Baukosten traditionell höher sind, haben sich die Fertigstellungszahlen ebenfalls verringert, was den Druck auf den Wohnungsmarkt weiter erhöht. Im Gegensatz dazu zeigt sich in der Steiermark und in Oberösterreich ein stabileres Bild, da dort verstärkt auf geförderte Wohnbauprojekte gesetzt wird.
Konkrete Auswirkungen auf die Bürger
Für die österreichischen Bürger bedeutet diese Entwicklung, dass der Druck auf die Wohnungsmärkte weiterhin hoch bleibt. Besonders in Städten wie Wien, Graz und Linz, wo die Nachfrage nach Wohnraum traditionell hoch ist, könnte dies zu steigenden Mieten führen. Experten wie Dr. Helmut Maier, ein renommierter Immobilienanalyst, warnen davor, dass die Kombination aus hoher Nachfrage und geringem Angebot die Preise weiter in die Höhe treiben könnte. „Ohne gezielte Maßnahmen zur Förderung des Wohnungsbaus werden wir in den nächsten Jahren mit einer erheblichen Wohnraumknappheit konfrontiert sein“, so Maier.
Politische Zusammenhänge und Abhängigkeiten
Die aktuelle Situation auf dem Wohnungsmarkt ist auch stark von politischen Entscheidungen beeinflusst. Strenge Kreditvergabevorschriften, hohe Zinsen und eine anhaltend hohe Inflation erschweren die Bedingungen für Bauherren und Investoren. Roman Oberndorfer fordert daher von der Politik dringend Maßnahmen, um sowohl die Schaffung von Eigentum attraktiver zu machen als auch die Neubautätigkeit anzukurbeln. „Wir brauchen ein klares Bekenntnis der Regierung zur Unterstützung des Wohnungsbaus“, betont er.
Zukunftsausblick: Was erwartet uns 2026 und darüber hinaus?
Oberndorfer wagt einen vorsichtigen Blick in die Zukunft: „2026 dürfte bei den bundesweiten Fertigstellungen Stabilität bringen, ab 2027 könnten sich positive Tendenzen tatsächlich realisieren – zumal mit derzeit rund 2.500 neu angekündigten Projekten die Pipeline wieder gut gefüllt ist.“ Diese Prognose lässt hoffen, dass der österreichische Wohnungsmarkt mittelfristig wieder auf eine stabilere Basis zurückkehren könnte.
Die Verwertungszahlen im Neubausegment zeigen ebenfalls eine leichte Erholung. Zwar liegen sie noch unter dem Niveau von 2021, doch seit Mitte 2023 ist ein Aufwärtstrend bei Immobilientransaktionen zu beobachten, wenn auch mit leichten Schwankungen. Diese Entwicklung könnte darauf hindeuten, dass sich der Markt allmählich stabilisiert.
Fazit: Ein zartes Licht am Ende des Tunnels?
Der 1. Österreichische Neubaubericht für das zweite Quartal 2025 zeigt, dass die österreichische Immobilienwirtschaft vor großen Herausforderungen steht. Dennoch gibt es Anzeichen für eine Stabilisierung und möglicherweise sogar eine Erholung in den kommenden Jahren. Die nächsten Schritte der Politik werden entscheidend dafür sein, ob das zarte Licht am Ende des Tunnels zu einem strahlenden Sonnenaufgang für den österreichischen Wohnungsmarkt werden kann.
Weitere Informationen zum aktuellen Quartalsupdate des 1. Österreichischen Neubauberichts sind unter diesem Link zu finden.