Ein Sommer voller versteckter Gefahren
Wien (OTS) – Ein klassischer Sommertag in Österreich: Ein schnelles Frühstück vor dem Freibad, ein Picknick mit Nachtisch und abends eine Grillfeier – das klingt nach einem perfekten Plan. Doch Foodwatch e. V. warnt: Die Lebensmittelindustrie nutzt genau solche Tage, um uns mit versteckten Zuckerbomben zu überlisten. Laut ihrer neuesten Untersuchung sprengen die Getränke eines typischen Sommertages die Zuckerempfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) um ein Vielfaches.
Versteckte Zuckerbomben im Alltag
Die meisten Menschen ahnen nicht, dass der Cappuccino und der Orangensaft zum Frühstück, der Eistee im Freibad und das Zitronen-Kracherl beim Grillen abends zusammen knapp 120 Gramm freien Zucker liefern. Zum Vergleich: Die WHO empfiehlt maximal 50 Gramm Zucker pro Tag. Miriam Maurer von Foodwatch Österreich erklärt: „Der Zuckergehalt von Getränken wird häufig unterschätzt – vor allem, weil sie nebenbei konsumiert und in der persönlichen Nährwertbilanz oft nicht mitgedacht werden.“
Globale Maßnahmen gegen Zuckerflut
Über 50 Länder haben bereits mit Steuern auf zuckerhaltige Getränke reagiert. Ein beeindruckendes Beispiel ist Großbritannien: Nach Einführung der Zuckersteuer 2018 sank der Zuckergehalt in Getränken drastisch. Kinder konsumierten binnen eines Jahres über 50 Prozent weniger Zucker aus Limonaden. Doch in Österreich gibt es bislang keine derartigen Maßnahmen, obwohl 59 Prozent der Österreicher:innen süße Getränke als Erfrischungs-Favorit im Sommer nennen.
Der Supermarkt als Labyrinth
Im Sommer greifen viele zu verarbeiteten Lebensmitteln, doch die Unterschiede in der Nährwertqualität sind enorm. Ein Drittel der Österreicher:innen kann Nährwerttabellen auf Verpackungen nicht richtig einschätzen. Ein möglicher Retter in diesem Dilemma wäre der Nutri-Score. Diese einfache Farbskala bewertet, wie ausgewogen oder unausgewogen ein Lebensmittel ist. Doch in Österreich ist der Nutri-Score noch immer nicht gesetzlich verankert.
„Konsument:innen wollen gesündere Entscheidungen treffen, doch die Politik lässt sie im Dunkeln tappen. Der Nutri-Score würde endlich Transparenz schaffen“, kritisiert Maurer.
Gesunde Ernährung: Ein teures Vergnügen?
Besonders alarmierend ist der Preisunterschied zwischen gesunden und weniger gesunden Lebensmitteln. Foodwatch hat herausgefunden, dass ein ausgewogenerer Sommertag um 22 Prozent teurer ist als ein unausgewogener. Ein künstlich gesüßtes Erdbeereis ist günstiger als echte Erdbeeren, was die Absurdität des Lebensmittelsystems verdeutlicht.
- Einführung einer Kracherl-Steuer auf süße Getränke
- Gesetzliche Grundlage für den Nutri-Score in Österreich
- Null Prozent Umsatzsteuer auf Obst und Gemüse
Die Ernährungsfallen im Sommer zeigen deutlich: Es bedarf einer Ernährungspolitik, die die Gesundheit der Menschen anstatt der Profite der Lebensmittelindustrie schützt.
Ein Blick in die Zukunft
Was bedeutet das alles für die Zukunft? Ohne drastische Maßnahmen wird der Zucker- und Kalorienkonsum weiter steigen, was langfristig zu einer Zunahme ernährungsbedingter Krankheiten führen könnte. Die Kosten im Gesundheitssystem würden explodieren, und die Lebensqualität vieler Menschen könnte erheblich leiden.
Ein fiktives Expertenzitat von Dr. Andrea Möller, Ernährungswissenschaftlerin, könnte lauten: „Wenn wir nicht bald handeln, wird die nächste Generation mit den gesundheitlichen Folgen unserer heutigen Nachlässigkeit zu kämpfen haben.“
Fazit: Der Druck steigt
Die Forderungen von Foodwatch sind klar: Eine mutige Ernährungspolitik muss her, um die Konsument:innen zu schützen und den Einfluss der Lebensmittelindustrie zu minimieren. Bis dahin bleibt es an den Verbrauchern, sich so gut wie möglich zu informieren und bewusste Entscheidungen zu treffen.
Der Sommer 2025 könnte der Wendepunkt sein, an dem Österreich beginnt, seine Ernährungspolitik zu überdenken. Bis dahin bleibt zu hoffen, dass weitere Länder mit gutem Beispiel vorangehen und Österreich zum Handeln inspirieren.